„Design for Recycling“ bei PPWR – wie gestaltet man eine gesetzeskonforme Verpackung?

„Design for Recycling” (PPWR) bedeutet, Verpackungen so zu gestalten, dass sie nach Gebrauch gesammelt, sortiert und so recycelt werden können, dass Sekundärrohstoffe von entsprechender Qualität gewonnen werden können. Bei PPWR reicht eine allgemeine Erklärung, dass die Verpackung „recycelbar“ ist, nicht aus. Ab 2030 wird die Recyclingfähigkeit nach den Klassen A, B oder C bewertet, und Verpackungen mit einer Recyclingfähigkeit unter 70% gelten als technisch nicht recycelbar, sodass ihr Inverkehrbringen eingeschränkt wird. Anhang II der PPWR legt fest, dass Klasse A eine Recyclingfähigkeit von mindestens 95%, Klasse B von mindestens 80% und Klasse C von mindestens 70% bedeutet.
Für Unternehmen bedeutet dies eine Änderung bei der Gestaltung von Verpackungen. Dabei spielen nicht nur das Hauptmaterial eine Rolle, sondern auch das Etikett, der Klebstoff, der Verschluss, der Farbstoff, die Beschichtung, der Lack, der Aufdruck, Produktrückstände und die Möglichkeit, die Komponenten voneinander zu trennen. Eine PPWR-konforme Verpackung muss nicht nur für den Moment des Verkaufs, sondern für den gesamten Lebenszyklus konzipiert sein: Verwendung, Entleerung, Trennung, Sortierung und Recycling.
Was versteht man bei PPWR unter „Design for Recycling“?
„Design for Recycling“, also die Gestaltung von Verpackungen im Hinblick auf das Recycling, ist ein Ansatz, bei dem Designentscheidungen unter Berücksichtigung des Lebenszyklusendes der Verpackung getroffen werden. Die Verpackung soll Schutz-, Logistik-, Informations- und Marketingfunktionen erfüllen, darf jedoch die Sammlung, Sortierung und das Recycling nicht behindern.
Die PPWR legt fest, dass eine Verpackung als rezyklierbar gilt, wenn sie für das stoffliche Recycling konzipiert ist und der gewonnene Sekundärrohstoff von ausreichender Qualität ist, um den Primärrohstoff zu ersetzen. Ab 2035 wird eine weitere Voraussetzung darin bestehen, dass die Sammlung, Sortierung und das Recycling in großem Maßstab gemäß der EU-Methodik möglich sind.
Bei „Design for Recycling” geht es nicht darum, ein „umweltfreundlicheres“ Material auszuwählen. Es geht vielmehr darum, die gesamte Verpackung so zu gestalten, dass sie ein effektives Recycling nicht behindert.
Das bedeutet, dass eine Papierverpackung mit einer schwer ablösbaren Beschichtung schlechter sein kann als eine einfache Kunststoffverpackung, die aus einem einzigen Materialstrang hergestellt wurde. Ebenso kann eine PET-Flasche durch eine Vollhülse, ungeeigneten Klebstoff, dunkle Farbstoffe oder ein Etikett, das die Sortierung beeinträchtigt, einen Teil ihrer Recyclingfähigkeit einbüßen.
Warum ändert PPWR seinen Ansatz in Bezug auf die Recyclingfähigkeit?
Bislang haben viele Unternehmen den Begriff „recycelbar” recht frei verwendet. Eine Verpackung konnte als recycelbar bezeichnet werden, wenn ihr Hauptmaterial theoretisch wiederverwertbar war. PPWR führt einen formelleren Ansatz ein: Es kommt nicht nur auf das Material an, sondern auch auf die tatsächliche Möglichkeit, die gesamte Verpackung wiederzuverwerten.
Die Europäische Kommission weist darauf hin, dass bis 2030 alle Verpackungen rezyklierbar sein und so gestaltet sein sollen, dass ihre Bestandteile als wertvolles Material wiederverwendet werden können, anstatt verbrannt oder deponiert zu werden.
Für Unternehmer bedeutet dies, dass die Recyclingfähigkeit zu einem Kriterium für die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften wird. Sie wird nicht mehr nur ein Verkaufsargument oder ein Bestandteil des ESG-Berichts sein.
Recyclingklassen im PPWR: A, B und C
Die PPWR führt Recyclingfähigkeitsklassen, sogenannte „Recyclability Performance Grades“, ein. Diese sollen dazu dienen, zu bewerten, inwieweit eine bestimmte Verpackungseinheit die Kriterien für eine recyclinggerechte Gestaltung erfüllt.
| Recyclingklasse | Recyclingfähigkeit | Praktische Bedeutung |
|---|---|---|
| Klasse A | ≥ 95% | Erstklassig; die Verpackung ist sehr gut auf Recycling ausgelegt |
| Klasse B | ≥ 80% | Auch nach 2038 noch regulativ sicher. |
| Klasse C | ≥ 70% | Ab 2030 noch gerade noch akzeptabel, ab 2038 jedoch nicht mehr ausreichend. |
| Unter 70% | < 70% | Verpackung, die technisch nicht recycelbar ist |
Ab 2030 muss eine Verpackung die Klasse A, B oder C erfüllen, damit sie in Verkehr gebracht werden darf. Ab 2038 reicht die Klasse C nicht mehr aus – zugelassen sind dann nur noch Verpackungen der Klasse A oder B.
Die sicherste Designstrategie besteht nicht darin, die Klasse C anzustreben. Unternehmen sollten Verpackungen mindestens für die Klasse B entwerfen, da die Klasse C ab 2038 nicht mehr ausreichen wird.
„Design for Recycling“ ab 2030 und „recycled at scale“ ab 2035.
Im PPWR gibt es zwei Stufen der Bewertung der Recyclingfähigkeit.
Die erste Phase ist „Design for Recycling”. Ab 2030 wird die Verpackung hinsichtlich ihres Designs bewertet: Material, Komponenten, Sortierbarkeit, Recyclingfähigkeit und Qualität des Sekundärrohstoffs. Dabei wird geprüft, „ob die Verpackung so gestaltet wurde, dass sie recycelbar ist“.
Die zweite Phase ist „Recycled at Scale“. Ab 2035 wird bei der Bewertung zusätzlich berücksichtigt, ob die Verpackung tatsächlich in großem Maßstab recycelt wird. Die PPWR weist darauf hin, dass die Bewertung ab 2035 die Menge des tatsächlich recycelten Materials in jeder Verpackungskategorie gemäß der Methodik der Durchführungsrechtsakte berücksichtigen wird.
Diese Unterscheidung ist sehr wichtig. Eine Verpackung mag theoretisch gut konzipiert sein, doch wenn es in der Praxis kein wirksames Sammel-, Sortier- oder Recyclingsystem für die jeweilige Kategorie gibt, könnte ihr Status nach 2035 problematisch werden.
Wann wird die Europäische Kommission die Kriterien näher erläutern?
Die PPWR sieht vor, dass die Europäische Kommission bis zum 1. Januar 2028 delegierte Rechtsakte erlassen soll, in denen Kriterien für das „Design for Recycling“ und Recyclingklassen für Verpackungskategorien festgelegt werden. Die Kriterien sollen unter anderem das vorherrschende Material, die Trennbarkeit in Materialströme, die Sortierung, die Qualität des Sekundärrohstoffs, Recyclingtechnologien und problematische Stoffe berücksichtigen.
Unternehmen sollten jedoch nicht bis 2028 mit ersten Maßnahmen warten. Anhang II der PPWR enthält bereits die Parameter, die bei der Festlegung der Kriterien für die recyclinggerechte Gestaltung berücksichtigt werden. Dies ist eine ausreichende Grundlage, um mit der Überprüfung der derzeitigen Verpackungen und der Ermittlung von Risiken zu beginnen.
Welche Bestandteile der Verpackung beeinflussen die Recyclingfähigkeit?
Die PPWR enthält in Anhang II eine nicht erschöpfende Liste von Parametern, die bei der Erstellung der „Design for Recycling“-Kriterien herangezogen werden. Dazu gehören unter anderem die Trennbarkeit der Komponenten, die Effizienz der Sortierung und des Recyclings, die Entwicklung von Sortiertechnologien sowie die Erhaltung der Funktionalität der Sekundärrohstoffe.
Etiketten
Ein Etikett kann zwar den Informationsgehalt der Verpackung verbessern, aber auch die Sortierung und das Recycling erschweren. Dabei spielen seine Fläche, das Material, der Klebstoff und die Möglichkeit, es vom Verpackungskörper zu trennen, eine Rolle.
Ein durchgehender Sleeve auf einer PET-Flasche kann die Materialidentifizierung in der Sortieranlage erschweren, insbesondere wenn er einen großen Teil der Verpackung verdeckt oder aus einem anderen Material als der Flaschenkörper besteht. Bei der Gestaltung im Hinblick auf das Recycling ist das Etikett kein rein grafisches Element. Es ist ein Bestandteil, der die Recyclingklasse beeinflusst.
Klebstoffe und Klebeverbindungen
Der Klebstoff kann recyclingneutral sein oder den Strom der Sekundärrohstoffe verunreinigen. PPWR weist darauf hin, dass Klebstoffrückstände die Qualität der Sekundärrohstoffe beeinträchtigen können, während abwaschbare Klebstoffe die Trennung des Etiketts oder der Komponente vom Hauptkörper der Verpackung erleichtern können.
Für Unternehmen bedeutet dies, dass sie nicht nur mit dem Verpackungshersteller, sondern auch mit dem Lieferanten von Etiketten, Klebstoffen und Hilfsstoffen sprechen müssen.
Farben und Farbstoffe
Stark gefärbte Materialien können die Sortierung erschweren und die Qualität des Recyclingmaterials beeinträchtigen. Dies gilt insbesondere für dunkle Kunststoffe, intensiv gefärbtes Papier sowie Materialien, die nach der Aufbereitung den Wert des Sekundärrohstoffs mindern.
Am sichersten sind in der Regel natürliche, transparente oder im Sortiersystem leicht zu identifizierende Materialien. Das bedeutet nicht, dass Farben verboten sind, sondern dass ihre Auswirkungen auf das Recycling bewertet werden müssen.
Materialzusammensetzung
PPWR weist darauf hin, dass Monomaterialien oder Materialkombinationen bevorzugt werden, die eine einfache Trennung und eine hohe Ausbeute an Sekundärrohstoffen ermöglichen.
Verpackungen aus mehreren Materialien können zwar funktional sein, lassen sich jedoch oft schwerer recyceln. Wenn ein Unternehmen Laminate, Beschichtungen, Sichtfenster, mehrschichtige Einlegeböden oder Verpackungen verwendet, die Papier, Kunststoff und Metall kombinieren, sollte es eine detaillierte Bewertung vornehmen. Ein guter Ausgangspunkt ist eine Analyse Multimaterial-Verpackungen, da sie am häufigsten den Konflikt zwischen Schutzfunktion und Recyclingfähigkeit offenbaren.
Barrieren und Beschichtungen
Barrieren schützen das Produkt vor Feuchtigkeit, Sauerstoff, Fett, Licht oder Aromaverlust. Ein Problem entsteht dann, wenn die Beschichtung eine effektive Trennung des Materials verhindert oder die Qualität des Recyclingmaterials beeinträchtigt.
Beispiel: Eine Papierverpackung mit einer schwer abtrennbaren Barriere mag zwar umweltfreundlich aussehen, landet in der Praxis jedoch möglicherweise in einem Recyclingstrom mit geringerem Wert. Bei „Design for Recycling“ kommt es nicht auf das Aussehen des Materials an, sondern darauf, wie es sich im tatsächlichen Recyclingprozess verhält.
Drucke, Lacke und Farben
Die Bedruckung ist wichtig für die Marke, die Produktidentifikation und die Einhaltung der Informationspflichten. Sie kann jedoch die Sortierung, die Reinheit des Recyclingstroms und die Qualität des Recyclats beeinträchtigen. PPWR weist darauf hin, dass Farben und Lacke, die problematische Stoffe enthalten, das Recycling erschweren können und dass die Freisetzung von Farbstoffen den Recyclingstrom verunreinigen kann.
Aus Sicht der PPWR darf das Marketing Verpackungen nicht losgelöst vom Thema Recycling entwerfen. Grafik, Farbgestaltung und Veredelungen sollten gemeinsam mit dem Material bewertet werden.
Verschlüsse und Kleinteile
Verschlüsse, Deckel, Ventile, Dichtungen, Membranen, Anhänger und kleine Sicherheitselemente können die Sortierung, Trennung und das Recycling beeinträchtigen. Kleine Bauteile können zudem während des Sortiervorgangs verloren gehen.
Gutes Ökodesign bedeutet, dass die Komponenten materialkompatibel sind, voneinander getrennt werden können oder so konzipiert sind, dass sie die Verwertung des Hauptmaterials nicht beeinträchtigen.
Produktrückstände und einfache Entleerung
Die Verpackung sollte sich leicht entleeren lassen. Produktreste können die Sortierung erschweren, Verunreinigungen verursachen und die Recyclingqualität beeinträchtigen. PPWR weist darauf hin, dass das Verpackungsdesign ein einfaches Entleeren des Inhalts ermöglichen sollte und dass die Verpackung nach der Entsorgung vollständig entleert sein sollte.
Dies ist besonders wichtig für Kosmetika, Haushaltschemikalien, viskose Produkte, halbflüssige Lebensmittel und Produkte in Tuben.
Wie gestaltet man eine Verpackung, die den Anforderungen der PPWR entspricht?
Bei der Gestaltung gemäß den PPWR-Vorschriften sollte man vom Hauptmaterial und der gesamten Verpackungseinheit ausgehen. Es reicht nicht aus, nur den Verpackungskörper zu bewerten. Es muss jedes Element berücksichtigt werden, das in den Abfallstrom gelangt.
1. Bestimme das vorherrschende Material
Die PPWR sieht vor, dass die „Design for Recycling“-Kriterien auf der Grundlage des vorherrschenden Materials und der Verpackungskategorie festgelegt werden. In Anhang II sind Kategorien aufgeführt, die unter anderem Glas, Papier und Pappe, Metall, PET, PE, PP, PS, EPS, sonstige Kunststoffe, Holz, Textilien und Keramik umfassen.
Beispiel: Bei einer PET-Flasche ist PET der Hauptfraktion, doch Etikett, Klebstoff, Verschluss und Farbstoff können die Bewertung der gesamten Einheit beeinträchtigen.
2. Begrenze die Anzahl der Materialien
Je mehr Materialien verwendet werden, desto größer ist das Risiko von Problemen bei der Trennung und dem Recycling. Ein einziges Material ist nicht immer möglich, sollte aber als Maßstab dienen.
Eine gute Frage bei der Produktentwicklung lautet: Ist jedes Material in der Verpackung notwendig, oder dient es lediglich dazu, das Erscheinungsbild, das Premium-Gefühl oder den Produktionskomfort zu verbessern?
3. Entwerfen Sie Komponenten als System
Verpackungskörper, Etikett, Verschluss, Klebstoff und Aufdruck sollten gemeinsam entworfen werden. Ein Fehler bei einer einzelnen Komponente kann die Qualität der gesamten Verpackung beeinträchtigen.
Beispiel: Eine Flasche kann zwar aus recycelbarem PET bestehen, doch eine Vollhülse aus PVC oder ein ungeeigneter Klebstoff können die Sortierung und die Qualität des Recyclingmaterials beeinträchtigen.
4. Überprüfen Sie die Sortierbarkeit
Die Verpackung muss erkannt und dem richtigen Abfallstrom zugeführt werden. Dabei spielen Farbe, Form, Größe, Material, Etikett und Elemente, die die Erkennung optisch beeinträchtigen, eine Rolle.
Sehr kleine Verpackungen, stark eingefärbte Kunststoffe, vollflächige Etiketten und ungewöhnliche Materialkombinationen können eine zusätzliche Analyse erfordern.
5. Bewerten Sie die Qualität des Sekundärrohstoffs
Das PPWR geht davon aus, dass das Recycling dazu führen soll, dass Sekundärrohstoffe gewonnen werden, deren Qualität ausreicht, um Primärrohstoffe zu ersetzen. Es geht also nicht nur um die „Verwertung von Abfall”, sondern um die Erhaltung des Materialwerts.
Wenn nach dem Recycling ein Material von geringer Qualität entsteht, das verunreinigt, schwer wiederverwendbar oder nur für minderwertige Anwendungen geeignet ist, kann die Verpackung eine schlechtere Bewertung erhalten.
6. Vermeiden Sie problematische Stoffe
Problematische Stoffe können die Wiederverwendung und das Recycling erschweren. Die PPWR sieht vor, dass anhand von Kriterien unerwünschte Stoffe identifiziert und deren Vorkommen in Verpackungen oder Bauteilen eingeschränkt werden können, sofern sie die Kreislaufwirtschaft beeinträchtigen.
Für Unternehmen bedeutet dies, dass sie mit Lieferanten von Farben, Lacken, Klebstoffen, Barrierebeschichtungen und technischen Additiven zusammenarbeiten müssen.
7. Dokumentieren Sie die Bewertung
„Design for Recycling“ erfordert Daten. Das Unternehmen sollte über Materialunterlagen, Komponentenspezifikationen, Daten von Lieferanten, eine Bewertung der Recyclingfähigkeit sowie eine Begründung für die gewählten Konstruktionslösungen verfügen.
An dieser Stelle ist es hilfreich, PPWR-Audit, mit dem Verpackungen hinsichtlich ihrer Konstruktion, Zusammensetzung, Recyclingfähigkeit, Kennzeichnung sowie der Einhaltung von Umwelt- und gesetzlichen Anforderungen bewertet werden können.
Kriterien für die Recyclingfähigkeit – eine praktische Checkliste
Unternehmen können mit einer einfachen Checkliste beginnen. Diese kann zwar die endgültige Methodik der delegierten Rechtsakte nicht ersetzen, ermöglicht es aber bereits jetzt, Verpackungen mit hohem Risiko zu identifizieren.
Checkliste „Design for Recycling“
- Besteht die Verpackung aus einem vorherrschenden Material?
- Lassen sich die Komponenten leicht von Hand oder in einer Aufbereitungsanlage trennen?
- Verdeckt das Etikett nicht einen zu großen Teil der Verpackung?
- Ist das Etikettenmaterial mit dem Hauptrecyclingstrom kompatibel?
- Ist der Klebstoff abwaschbar oder recyclingverträglich?
- Enthält die Verpackung keine dunklen oder problematischen Farbstoffe?
- Sind Beschichtungen und Barrieren notwendig und mit dem Recycling vereinbar?
- Enthalten die Aufdrucke und Lacke keine Stoffe, die das Recycling erschweren?
- Gehen Verschlüsse und kleine Bauteile beim Sortiervorgang nicht verloren?
- Lässt sich das Produkt leicht aus der Verpackung entnehmen?
- Hat das gewonnene Sekundärmaterial einen tatsächlichen Gebrauchswert?
- Verfügt das Unternehmen über Unterlagen, die die Bewertung belegen?
Sollten bei mehreren Punkten negative Antworten auftreten, sollte die Verpackung vor der nächsten Bestellung oder Neugestaltung überprüft werden.
Beispiel: eine konforme und eine problematische PET-Flasche
Eine PET-Flasche kann ein gutes Beispiel für den Unterschied zwischen einer bloßen Behauptung und echtem „Design for Recycling“ sein.
Problematische Variante:
– dunkles oder undurchsichtiges PET,
– ein langer Ärmel, der den Oberkörper bedeckt,
– ein Etikett aus einem Material, das nicht mit dem PET-Strom kompatibel ist,
– schwer zu entfernender Klebstoff,
– ein gefärbter Verschluss aus einem anderen Material, dessen Kompatibilität nicht geprüft wurde,
– Aufdrucke und Lacke, die das Recycling erschweren.
Die konstruktiv bessere Variante:
– transparentes oder leicht zu sortierendes PET,
– begrenzte Fläche des Etiketts,
– Etikett und Klebstoff, die auf den Recyclingprozess abgestimmt sind,
– ein Verschluss, der mit dem Verarbeitungssystem kompatibel ist,
– keine überflüssigen Veredelungen,
– Unterlagen der Zulieferer.
Die wichtigste Schlussfolgerung: Verpackungen aus demselben Hauptmaterial können unterschiedlich bewertet werden, wenn sich die Bestandteile und die Art ihrer Verbindung unterscheiden.
Beispiel: Papierverpackung mit Barriere
Papierverpackungen werden oft automatisch als umweltfreundlicher angesehen. Bei PPWR ist eine solche Vereinfachung riskant.
Eine Papierverpackung mit fettdichter Beschichtung, einem Kunststofffenster, einer intensiven Lackierung und einem dauerhaften Klebstoff kann schwer zu recyceln sein. Wenn sich die Schichten nicht voneinander trennen lassen und die Beschichtungen den Papierstrom verunreinigen, kann die Verpackung eine schlechtere Bewertung erhalten als eine einfachere Variante aus einem einzigen Material.
Deshalb geht es beim Ökodesign nicht darum, Kunststoff durch Papier zu ersetzen. Es geht darum, die Verpackung so zu gestalten, dass sie den tatsächlichen Recyclingablauf berücksichtigt.
Design for Recycling und Verpackungen aus mehreren Materialien
Verpackungen aus mehreren Materialien gehören zu den schwierigsten Bereichen der PPWR. Oft verbinden sie hohe Funktionalität mit geringer Trennbarkeit. Sie schützen das Produkt, verlängern die Haltbarkeit, gewährleisten Barriereeigenschaften und ein ansprechendes Erscheinungsbild, können jedoch das Recycling erschweren.
Nicht jede Verpackung aus mehreren Materialien ist automatisch unzulässig. Das Risiko steigt, wenn:
– die Materialien sind dauerhaft miteinander verbunden,
– Eine Trennung ist für den Nutzer und die Sortieranlage nicht möglich,
– Laminat verfügt über keinen stabilen Recyclingkreislauf,
– Diese Barriere mindert die Qualität des Sekundärrohstoffs,
– der Anteil problematischer Komponenten ist hoch,
– Die Verpackung erfordert einen speziellen Verarbeitungsweg, der in der Praxis nicht vorhanden ist.
Unternehmen, die solche Lösungen einsetzen, sollten eine technische Bewertung vornehmen Multimaterial-Verpackungen und prüfen, ob es eine einfachere Materialalternative gibt.
Design für Recycling im E-Commerce
Im E-Commerce betrifft „Design for Recycling“ nicht nur die Produktverpackung, sondern auch die Versandverpackung. Karton, Klebeband, Etikett, Folie, Füllmaterial und Mehrwegverpackung bilden zusammen ein System, das sich leicht trennen und recyceln lassen sollte.
Die häufigsten Probleme im E-Commerce sind:
– zu große Kartons,
– zu viele Füllstoffe,
– eine Kombination aus verschiedenen Materialien in einem Paket,
– Bänder und Etiketten, die sich nur schwer voneinander trennen lassen,
– Folienumschläge mit zusätzlichen Etiketten und Aufdrucken,
– Es liegen keine Angaben zum Gewicht und zum Material der Verpackungen vor.
Online-Shops sollten das Design im Hinblick auf Recycling mit der Analyse des Leerraums und der Verpackungsvorschriften verbinden. Ein guter Ausgangspunkt ist E-Commerce-Audit sowie eine Analyse Verpackungen im E-Commerce – BDO und LUCID, insbesondere beim Verkauf ins Ausland.
Design for Recycling und der Anteil an Recyclingmaterial
Die Recyclingfähigkeit und der Recyclinganteil sind zwei unterschiedliche Anforderungen der PPWR. Die erste bezieht sich darauf, ob eine Verpackung nach Gebrauch effektiv recycelt werden kann. Die zweite bezieht sich darauf, wie viel recyceltes Material in einer neuen Verpackung enthalten ist.
Eine Verpackung kann zwar Recyclat enthalten, aber dennoch schwer zu recyceln sein. Sie kann auch gut für das Recycling konzipiert sein, aber den vorgeschriebenen PCR-Anteil für Kunststoffverpackungen nicht erfüllen.
Daher sollte eine nach PPWR erfolgte Planung Folgendes vereinen:
– Design für Recycling,
– Recyclinganteil,
– Minimierung von Gewicht und Volumen,
– Reduzierung problematischer Stoffe,
– korrekte Kennzeichnung,
– technische Unterlagen,
– die Pflichten von BDO, EPR und ausländischen Systemen.
Es lohnt sich, den breiteren materiellen Kontext mit dem Ansatz zu verknüpfen Kreislaufwirtschaft, da PPWR dazu zwingt, Verpackungen unter Berücksichtigung des gesamten Lebenszyklus zu entwerfen und nicht nur den Materialkauf im Blick zu haben.
Wie bereitet man ein Unternehmen auf die „Design for Recycling“-Kriterien vor?
Die beste Vorbereitung beginnt mit einer Bestandsaufnahme des Verpackungsportfolios. Das Unternehmen sollte ermitteln, welche Formate für den Absatz entscheidend sind, welche große Stückzahlen aufweisen, welche aus mehreren Materialien bestehen und welche sich leicht neu gestalten lassen.
1. Erstellen Sie eine Übersicht über die Verpackungen
Die Liste sollte Einzel-, Sammel-, Transport- und E-Commerce-Verpackungen umfassen. Für jede Verpackung sind Daten zu Material, Gewicht, Komponenten, Lieferanten, Absatzmarkt und Funktion zu erfassen.
2. Weisen Sie die Kategorie „PPWR“ zu
Die Verpackung muss einer der Kategorien aus Anhang II zugeordnet werden: Glas, Papier, Metall, PET, PE, PP, Folien, EPS, sonstige Kunststoffe, Holz, Textilien oder Sonstiges. Dies ist der Ausgangspunkt für die weitere Bewertung.
3. Bewerten Sie die problematischen Komponenten
Besondere Aufmerksamkeit muss Etiketten, Klebstoffen, Sleeve-Hüllen, Farbstoffen, Beschichtungen, Laminaten, Verschlüssen und Produktrückständen gewidmet werden.
4. Lege die Zielklasse fest
Es lohnt sich nicht, eine Verpackung nur für die Mindestanforderung 70% zu entwerfen. Ein sichereres Ziel ist die Klasse B und in einigen Kategorien die Klasse A, sofern dies technisch und wirtschaftlich machbar ist.
5. Legen Sie Anforderungen an die Lieferanten fest
Die Beschaffungsspezifikationen sollten Anforderungen hinsichtlich Material, Farbstoffen, Klebstoffen, Etiketten, Beschichtungen, Recyclinganteil, Trennbarkeit und Dokumentation enthalten.
6. Testen Sie das Projekt vor der Umsetzung
Eine Änderung der Verpackung kann sich auf den Schutz des Produkts, die Haltbarkeit, die Optik, die Logistik und Reklamationen auswirken. Die Tests sollten sowohl die Funktion der Verpackung als auch ihre Recyclingfähigkeit umfassen.
7. Dokumentieren Sie Entscheidungen
Das Unternehmen sollte über eine Entwurfsbegründung, Materialunterlagen und Angaben der Lieferanten verfügen. Das Fehlen dieser Unterlagen kann ebenso problematisch sein wie ein mangelhaftes Verpackungsdesign.
In der Praxis lohnt es sich, beides zu kombinieren PPWR-Audit z Umweltprüfung, um nicht nur das Verpackungsdesign, sondern auch die Kohärenz der Dokumentation, der Zuständigkeiten und der Prozesse im Unternehmen zu bewerten.
Wer sollte im Unternehmen für „Design for Recycling“ verantwortlich sein?
„Design for Recycling“ ist keine Aufgabe einer einzelnen Abteilung. Es erfordert die Zusammenarbeit mehrerer Unternehmensbereiche.
Die Forschungs- und Entwicklungsabteilung sowie die Technologieabteilung sind für das Design und die Funktionalität der Verpackung zuständig. Der Einkauf verhandelt über Materialien und Lieferanten. Die Qualitätssicherung bewertet die Produktsicherheit. Das Marketing entwirft das Grafikdesign und die Umweltkommunikation. Die Logistik prüft den Transport und die Widerstandsfähigkeit. Die Compliance-Abteilung analysiert die gesetzlichen Anforderungen. Die Finanzabteilung bewertet die Kosten und die Auswirkungen auf die Gebühren. Die Geschäftsführung sollte die strategische Ausrichtung genehmigen.
Das größte Risiko entsteht, wenn die Marketingabteilung die Verpackung entwirft, die Einkaufsabteilung das günstigste Material auswählt und die Compliance-Abteilung erst nach der Freigabe der Produktion von dieser Entscheidung erfährt.
Wenn ein Unternehmen über kein internes Umweltteam verfügt, ist es eine gute Lösung, umfassende Umweltberatung für Unternehmen, einschließlich einer Analyse der Vorschriften, Verpackungen, Unterlagen und Risiken.
Die häufigsten Fehler bei der Gestaltung von Verpackungen für das Recycling
Der erste Fehler besteht darin, nur das Hauptmaterial zu bewerten. Bei PPWR zählt die gesamte Verpackungseinheit, also auch das Etikett, der Klebstoff, der Verschluss, der Farbstoff und die Beschichtung.
Ein weiterer Fehler ist der Wechsel von Kunststoff zu Papier, ohne die Recyclingfähigkeit zu prüfen. Papier mit einer Barriere oder einer Laminierung kann problematisch sein.
Der dritte Fehler ist die Auslegung auf die Klasse C. Ab 2038 reicht die Klasse C nicht mehr aus, um Verpackungen auf den Markt zu bringen.
Der vierte Fehler ist das Fehlen von Angaben seitens der Lieferanten. Die Angabe „die Verpackung ist recycelbar” ohne nähere Angaben und Nachweise stellt keine solide Grundlage für die Konformität dar.
Der fünfte Fehler besteht darin, die tatsächliche Recycling-Infrastruktur außer Acht zu lassen. Ab 2035 wird es nicht nur darauf ankommen, ob eine Verpackung recycelbar ist, sondern auch darauf, ob sie tatsächlich in großem Umfang recycelt wird.
FAQ - Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet „Design for Recycling“ bei PPWR?
„Design for Recycling“ bedeutet bei PPWR, Verpackungen so zu gestalten, dass sie nach Gebrauch gesammelt, sortiert und stofflich recycelt werden können und dass die dabei gewonnenen Sekundärrohstoffe eine Qualität aufweisen, die es ermöglicht, Primärrohstoffe zu ersetzen.
Welche Recyclingklassen sieht die PPWR vor?
PPWR sieht die Klassen A, B und C vor. Klasse A bedeutet eine Recyclingfähigkeit von mindestens 95%, Klasse B von mindestens 80% und Klasse C von mindestens 70%. Verpackungen mit einer Recyclingfähigkeit unter 70% gelten als technisch nicht recycelbar.
Seit wann müssen Verpackungen recyclinggerecht gestaltet werden?
Ab 2030 müssen Verpackungen die Kriterien von „Design for Recycling“ erfüllen, und ab 2035 wird die Bewertung um die Voraussetzung des großtechnischen Recyclings erweitert. Die PPWR sieht außerdem vor, dass ab 2038 ausschließlich Verpackungen der Klasse A oder B zugelassen sein werden.
Ist eine Papierverpackung immer besser als eine aus Kunststoff?
Nein. Papierverpackungen mit Beschichtung, Laminat, Lack oder einem Fenster aus Kunststoff können schwer zu recyceln sein. PPWR bewertet die tatsächliche Recyclingfähigkeit der gesamten Verpackungseinheit und nicht nur das Erscheinungsbild des Materials.
Was beeinträchtigt die Recyclingfähigkeit einer Verpackung am stärksten?
Am häufigsten bereiten dauerhafte Verbindungen verschiedener Materialien, Vollhülsen, ungeeignete Klebstoffe, dunkle Farbstoffe, schwierige Beschichtungen, problematische Substanzen, kleine Bauteile, die beim Sortieren verloren gehen, sowie Produktrückstände Probleme.
Wie beginnt man mit der Neugestaltung der Verpackung im Rahmen des PPWR?
Am besten beginnt man mit einem Verpackungsaudit: Dabei sollten das vorherrschende Material, die Bestandteile, die PPWR-Kategorie, die derzeitigen Risiken hinsichtlich der Recyclingfähigkeit sowie die angestrebte Klasse ermittelt werden. Anschließend sollten Anforderungen an die Lieferanten festgelegt und neue Lösungen getestet werden.
Gestalten Sie Ihre Verpackungen gemeinsam mit Experten neu
„Design for Recycling“ bei PPWR verwandelt das Verpackungsdesign von einer Marketingmaßnahme in einen Bereich, der rechtliche, technische und ökologische Anforderungen erfüllt. Die Verpackung muss das Produkt schützen, gleichzeitig aber auch die Sortierung, das Recycling und die Gewinnung von hochwertigen Sekundärrohstoffen ermöglichen.
Wenn Sie Ihre Verpackungen gemäß den PPWR-Vorschriften neu gestalten möchten, nutzen Sie PPWR-Audit oder wähle Technische und Umweltberatung Eko-Pro. Du kannst auch zum Reiter wechseln Kontakt zu Eko-Pro und die derzeitigen Verpackungen, Materialien sowie die geplanten Designänderungen beschreiben.

